Aus gegebenen Anlass, da bereits seit einigen Wochen diese Anfragen mich erreichen, verfasse ich hier einen kurzen Beitrag aus MEINER Sicht. Dies ist eine rein nüchterne Betrachtung der Situation im Vorfeld, von den vielen Hoffnungen, dem Bangen und zerplatzten Träumen möchte ich gar nicht sprechen denn dafür würde die Zeit hier nicht ausreichen. Ich möchte die Interessenten grundsätzlich etwas mehr aufklären was es bedeutet zu züchten, was für eine Verantwortung man als Züchter automatisch trägt und was man vom zukünftigen Welpenbesitzer erwartet. Also beginnt man ganz am Anfang mit der „vielleicht“ zukünftigen Zuchthündin. Warum „vielleicht“? Weil man diese geplante Zuchthündin erst durch eine lange Reihe von medizinischen Untersuchungen, Gen-Tests, Wesenstests, artgerechten Prüfungen etc. bringen muss – wenn man in einem hochkarätigen, international anerkannten Zuchtverein züchtet – um sicher zu sein, dass die zukünftige Zuchthündin auch rundum gesund ist, labradortypische Merkmale aufweist und sich aus charakterlicher Sicht auch für die Zucht eignet. Dies ist eine aufwendiger, langwieriger Prozess, der im Vorfeld bereits eine Menge Geld & Zeit verschlingt ohne die Sicherheit zu gewährleisten, dass am Ende auch das positive Ergebnis, Zuchthündin, heraus kommt.

Gehen wir nun davon aus, dass nach allen bestandenen Tests die Hündin als Zuchttier im DRC e. V. zugelassen wurde. Was nun? Die eigene Situation sollte bestens passen um die nächsten 4 Monate rundum Zeit und Platz für die Zuchthündin, die Aufzucht und Versorgung der Welpen und die Besuche der Interessenten aufzubringen. Die Suche nach dem für die eigene Zucht geeigneten Deckrüden (unter Beachtung des Inzuchtkoeffizienten) sollte rechtzeitig erfolgt sein und die genaue Kontrolle über den Zyklus der Hündin sollte schon im Vorfeld passiert sein damit man in etwa abschätzen kann, wann es zeitlich überhaupt dazu kommt um zum Deckrüden zu fahren.

Nun ist es also endlich soweit, die Zuchthündin hat ihre Hitze, die angefertigten Progesteron-Tests des Tierarztes haben eindeutig einen täglichen Anstieg des Progesteron-Wertes ergeben, der frühzeitig beim Rassezuchtwart angeforderte Deckschein ist pünktlich eingetroffen, man hat die Deckrüden-Besitzerin informiert, ein Hotel vor Ort gefunden, plant den mehrtägigen Aufwand ein und fährt los.

In diesem Falle war der von mir vor 6 Monaten ausgesuchte englische Deckrüde in Ungarn zu Hause, eine Hinfahrt (ohne Stau!) von 11,5 Stunden lag erfolgreich hinter uns und dort endlich angekommen wurden wir (und unsere Zuchthündin) schon erwartet, auch wenn es bereits 21:00 Uhr war und die Deckrüdenbesitzerin am nächsten Tag einen Workingtest mit 30 Startern vorzubereiten hatte. Nachdem sich die beiden Hunde kennen gelernt hatten ließ sich meine Zuchthündin zum Glück sofort decken – und eine große Last fiel von meinen Schultern! Mich hatte es seit Tagen um den Schlaf gebracht und die Gedanken kreisten permanent um folgende Fragen: „Bin ich zu früh?“ oder „Lässt sich meine jungen Hündin beim ersten Deckakt überhaupt decken?“ oder „Wie geht der Deckrüde mit ihr um?“ Ich hatte großes Glück, all diese Sorgen konnte ich schon am ersten Abend mit einem  Bildergebnis für grüner haken icon abzeichnen! Der zweite Deckakt am nächsten Tag erfolgte genauso harmonisch, professionell und perfekt wie der erste und schon waren wir wieder auf der Rückfahrt, dieses Mal mit 4 Staus und 13,5 Std. Fahrtzeit. Während dieser Fahrt bekam ich nun bereits die ersten Anrufe von Welpeninteressenten und beantwortete – im Auto sitzend – an dem mitgenommenen Laptop die ersten schriftlichen Anfragen. Hierzu möchte ich mich kurz äußern:

Ich freue mich sehr über das große Interesse an meiner Zucht und den gerade (hoffentlich) gezeugten Welpen. Leider kann ich nicht in die Zukunft sehen und keinerlei Aussagen treffen ob es zu einer erfolgreichen Bedeckung gekommen ist, dies wird erst der Ultraschalltest in 4 Wochen deutlich machen können. Vorher werde ich also weder einen Welpen fest zusagen, schon gar nicht auf einen derartigen Anruf: „Ich habe im August viel Zeit, bekomme ich nun den Welpen?“ oder auf unpersönliche Nachrichten per SMS/WhatsApp antworten (die man sicherlich noch an ein Dutzend weitere Züchter auf der Wurfplanungsliste des DRC e. V. geschickt hat) noch schriftliche Aufforderungen zur festen Zusage eines Welpen, bevor ich den Interessenten überhaupt persönlich kennen gelernt habe, machen. Ich werde in Ruhe abwarten, meiner Zuchthündin die benötigte Zeit & Ruhe geben und mich dann bei denjenigen Interessenten melden, die aus meiner Sicht in die engere Auswahl kommen. Ich züchte nicht oft und verdiene damit kein Geld, deshalb nehme ich mir viel Zeit in der genauen Auswahl meiner zukünftigen Welpenkäufer. Ich muss mich auch nicht rechtfertigen für meine endgültige Entscheidung und diskutiere nicht stundenlang mit den Interessenten, denen ich abgesagt habe. Niemand hat ein „Recht“ auf meine Welpen, auch wenn das einige Leute meinen, und wenn man mir die doppelte Welpengebühr anbietet oder ihn „früher abholen will, dann ist er bestimmt günstiger“ regiere ich nicht besondern begeistert. Man sollte sich bereits im Vorfeld einige Gedanken machen:

  • welches Geschlecht der Welpe haben sollte
  • wo der Welpe die nächsten Wochen sicher untergebracht leben soll
  • wer den Welpen in den nächsten Wochen tags- und nachtsüber versorgen kann
  • welche Ansprüche ein Labrador Retriever grundsätzlich hat
  • welche genetischen Veranlagungen diese Rasse mit sich bringt
  • was man mit diesem Welpen in Zukunft machen möchte
  • ob man einem Junghund zeitlich & körperlich die nächsten Jahre gerecht werden kann

und nicht erst bei mehrmaligem Nachfragen meinerseits! Es handelt sich hier um die reine Arbeitslinie der Labrador Retriever, das bedeutet aber nicht, dass diese Hunde keine Zuneigung benötigen und nur als „Arbeitstier“ gehalten werden sollen. Sie sind temperamentvoll, sehr leistungsbereit, apportieren für ihr Leben gerne und haben starke jagdliche Veranlagungen. Sie brauchen sowohl für den Kopf als auch für den Körper ausreichend Beschäftigung und sind bei unsportlichen Menschen schlecht aufgehoben. Sie haben großen Bezug zum Menschen und möchten mit „ihrem“ Besitzer die Welt erobern! Gleichzeitig sind sie sensibel und feinfühlig und benötigen ihren eigenen ruhigen Rückzugsort, der ihnen Geborgenheit und Sicherheit gibt und ihre rassetypische Gelassenheit und Ausgeglichenheit in neuen Situationen fördert. Nur so ist eine gemeinsame glückliche Zukunft möglich – für Mensch UND Tier!

Meine Hunde sind für mich Familienmitglieder, keine auf Knopfdruck produzierte Ware, die genauso ein Recht auf ein gutes Leben haben wie jedes andere Lebewesen auf dieser Erde und ich als Züchter habe die Verpflichtung, dafür bestmöglich zu sorgen. Ich bitte daher um Verständnis wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – den Interessenten eine Absage erteile. Ich versuche mein Bestes zu geben in der Auswahl der richtigen Welpenbesitzer (was in der Vergangenheit zu meinem großen Bedauern leider nicht immer gut klappte) damit beide – Tier & Mensch – für viele Jahre glücklich werden und soviel Freude gemeinsam erleben dürfen wie ich es täglich mit meinen 3 Mädels.

Wenn ich also als Interessent die oben grob formulierten Punkte alle bejahen kann dann steht einem vorab Kennenlernen nichts mehr im Wege!

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